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PayPal - teure Internet-Währung

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Geschäfte im Internet sind eigentlich eine ganz einfache Sache: man bietet seine Waren oder Dienstleistungen auf einer Web-Seite an. Die Kunden kommen, schauen, kaufen und man braucht ihnen nur noch die verkauften Sachen zukommen zu lassen. Doch halt, da fehlt doch noch was? Richtig: das Geld, zumindest wenn man seine Waren nicht verschenken will. Nun gibt es viele Möglichkeiten um Geld zu transferieren: Banküberweisung, Lastschrift, Kreditkarte, Nachnahme... und Online-Bezahlsysteme.

Die vier erstgenannten Zahlungswege dürfte wohl jeder kennen und - zumindest einige davon - auch schon mal benutzt haben. Online-Bezahlsysteme kombinieren diese Zahlungsmöglichkeiten. Das zur Zeit wohl größte Bezahlsystem dieser Art wird von der 1998 gegründeten Firma PayPal betrieben. Die Firma unterhielt im ersten Quartal 2007 nach eigenen Angaben rund 143 Millionen Konten und wickelte ein Zahlungsvolumen von 11 Mrd. US-Dollar ab. Verfügbar ist der Dienst in rund 190 Ländern. Grund genug diesen Dienst näher zu betrachten.

  Im Grunde ist PayPal damit nichts anderes als eine Bank im Internet mit eingeschränktem Funktionsumfang. Man kann als Kunde Zahlungen tätigen oder empfangen. Weitere bankübliche Dienstleistungen, wie zum Beispiel die Vergabe von Krediten, gibt es nicht. Dementsprechend firmiert der europäische Ableger des zu eBay gehörenden PayPal tatsächlich als lizenziertes Kreditinstitut mit Sitz in Luxemburg.

So funktioniert?s Die Nutzung von PayPal ist denkbar einfach. Zunächst einmal benötigt man ein Konto bei PayPal. Die richtet man Online in wenigen Minuten ein. Abgefragt werden dabei Name, Adresse, E-Mail und Telefonnummer, sowie eine inländische Bankverbindung. Eine aufwändige Identifizierung nach dem Geldwäschegesetz erfolgt nicht ? das hat die Bank ja schon erledigt. Hat man alle notwendigen Angaben gemacht und ein ? möglichst sicheres - Passwort gewählt erhält man kurz darauf eine Aktivierungsmail. Sobald man diese bestätigt hat, kann man sein neues Konto bereits nutzen Zahlungen zu empfangen. Um selber etwas zu bezahlen muss man aber zunächst einmal Geld auf das PayPal-Konto überweisen. Will man Geld von seinem PayPal-Konto abheben oder Zahlungen per Lastschrift tätigen, so ist zunächst eine Bestätigung des eingetragenen Bankkontos erforderlich. Ein entsprechender Hinweis erscheint, sobald man sich in sein Konto eingeloggt hat (siehe Bild 1).

Kontoübersicht Bild 1: Kontoübersicht mit dem Hinweis, dass das Bankkonto noch bestätigt werden muss

  Hierfür überweist PayPal zwei kleine Beträge (jeweils unter einem Euro) auf das eigene Bankkonto. Sobald man diese Zahlungen auf seinem Kontoauszug findet, trägt man diese Beträge auf einer speziellen Seite im eigenen Profil bei PayPal ein. Damit gilt das Konto als bestätigt und es steht der volle Funktionsumfang zur Verfügung.

Kontobestätigung Bild 2: Bestätigung des eigenen Bankkontos bei PayPal

  Um zum Beispiel eine Zahlung an ein anderes PayPal-Mitglied zu senden, loggt man sich ein und trägt im Auftragsformular die E-Mail-Adresse, die man von dem Zahlungsempfänger erhalten hat, ein, gibt den Zahlbetrag und Verwendungszweck ein und bestätigt die Transaktion (siehe Bild 3).

Geld senden Bild 3: Maske um eine Zahlung anzuweisen

  Da das Geld ja nur innerhalb von PayPal umgebucht wird, ist die Zahlung im gleichen Moment beim Empfänger. Dieser erhält eine Benachrichtigung per E-Mail und kann sofort über das Geld verfügen. Auch wer selber kein PayPal-Konto einrichten möchte kann diesen Zahlungsweg nutzen. So können zum Beispiel eBay-Käufer in Deutschland ihre Artikel auch per Lastschrift, giropay, Kreditkarte oder Überweisung bezahlen. Auf dem gleichen Wege ist es auch möglich an ein PayPal-Mitglied eine Zahlungsaufforderung zu schicken, beispielsweise nachdem dieses bei eBay etwas von einem ersteigert hat.

Zahlungsanforderung Bild 4: Maske um eine Zahlung anzufordern

  Wie bei einer richtigen Bank üblich kann man auch bei PayPal online seine getätigten Umsätze anzeigen lassen (siehe Bild 5)

Kontoauszug Bild 5: Kontoauszug mit den Umsätzen des letzten Monats

Sicherheit Zwar gibt sich PayPal alle Mühe einen möglichst sicheren Eindruck zu vermitteln. Aber es bleibt doch deutlich hinter herkömmlichen Online-Banking zurück. Zwar erfolgt der Zugang verschlüsselt über HTTPS, aber ansonsten gibt es nur noch ein Passwort, das unbefugte Benutzer fernhält. Eine zusätzliche Sicherung zum Beispiel über Transaktionsnummern (TANs), die jeweils nur für eine Zahlung gültig sind, existiert es nicht. Dafür hat man allerdings die Gewähr, dass beim Zahlungsvorgang die eigenen Daten von Kreditkarte oder Bankkonto nicht an den Zahlungsempfänger gegeben werden.

Kosten Die Bequemlichkeit hat allerdings auch ihren Preis und der ist, zumindest für den Zahlungsempfänger, ziemlich gesalzen. Zu einer Grundgebühr von 0,35 ? kommen noch zusätzliche Gebühren , die abhängig vom Zahlbetrag und vom Empfängerland sind. Innerhalb Deutschlands werden zusätzlich 0,9 % bis 1,9 % fällig. Geht die Zahlung in ein Land der Euro-Zone so beträgt der Prozentsatz 2,4 % bis 3,4 % und sitzt der Empfänger in einem Nicht-Euro-Land, so sind es sogar 2,9 % bis 3,9%. So kostet eine Zahlung über 100 ? an einen Empfänger innerhalb Deutschlands happige 2,25 ? (1,9% von 100 ? plus 0,35 ?). Geht der gleiche Betrag nach Frankreich, so steigen die Gebühren gar auf 3,75 ?. Auch wenn der Zahlungsempfänger die Gebühren alleine bezahlt: Er wird natürlich versuchen diese Belastung in den Kaufpreis oder in die Versandkosten einzukalkulieren und so letztendlich auf den Kunden abzuwälzen. Erfolgt die Zahlung in einer anderen Währung, zum Beispiel US-Dollar, so entstehen zusätzliche Kosten durch den Umtausch in die Fremdwährung. Laut PayPal wird beim Umtausch ?... ein marktüblicher Umtauschkurs verwendet, der den üblichen Wechselkursschwankungen unterliegen kann.?. Welcher Spread dabei genau zugrunde gelegt wird, steht leider nicht in den Gebührenangaben. Der Hinweis, dass der Wechselkurs ?... eine Gebühr* von 2,5 % [enthält]?, lässt aber ahnen, dass man nicht gerade einen günstigen Kurs erhält.

Fazit Angesichts der horrenden Gebühren im Vergleich zu einer normalen Banküberweisung, fragt man sich warum es PayPal überhaupt gibt. Ein Grund könnte das Fehlen eines landesweiten Gironetzes in den USA sein. Dort herrschen wegen des langen Fehlens bundesstaatenübergreifender Überweisungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr Kreditkarten und Schecks vor. Diese sind allerdings zur Begleichung von Verpflichtungen aus Onlinetransaktionen weniger geeignet und ebenfalls recht kostenintensiv. Im Vergleich dazu wird zum Beispiel in Deutschland eine Rechnung meistens per Überweisung bezahlt. Und auch innerhalb der EU sind dank Regulierung des europäischen Zahlungsverkehrs Standard-EU-Überweisungen mittlerweile sehr preiswert oder sogar gebührenfrei möglich.   Daher sollte man PayPal mit Bedacht benutzen. Sinn macht es vor allem bei Zahlungen in Nicht-Euro-Länder, da hier die Bankgebühren vor allem bei kleineren Zahlbeträgen oftmals noch höher liegen. Darüber hinaus sind hier auch die Laufzeiten von Überweisungen deutlich länger als bei PayPal. Innerhalb Deutschlands ist die Banküberweisung oder die Einzugsermächtigung in aller Regel die sinnvollere Alternative. Bei letzterer hat man nicht nur keine Kosten, man kann sie sogar noch bis zu sechs Wochen nach Abbuchung widerrufen. Für eBay-Käufer ist die PayPal-Nutzung unter Umständen auch innerhalb Deutschlands interessant. Die gegenüber einer Überweisung höheren Gebühren bieten als Gegenleistung ja einen gewissen Versicherungsschutz gegen Betrug. Ob man dies möchte muss natürlich jeder selbst entscheiden.