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Musik spielen mal anders: Audiosurf

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Musikspiele sind in. Doch trotz der PC-Umsetzung von Guitar Hero 3 und dessen Freeware-Variante Frets on Fire findet dieser Trend hauptsächlich auf Konsolen statt. Mit Audiosurf findet sich nun ein echtes Kleinod auf dem PC, dass einen ganz neuen Ansatz bietet: »Ride your Music«!

Music is my Radar

Dieses Spielprinzip ist bekannt: Bunte Klötzchen fallen von oben herab und sollen vom Spieler so arrangiert werden, dass mindestens drei gleichfarbige Elemente zusammenkommen, welche sich dann auflösen und Punkte bringen. Jetzt stellen sie sich das Ganze so vor, dass der Spieler auf einer dreidimensionalen Straße fährt, auf der ihm die Klötzchen entgegenkommen und er sie mit seinem Fahrzeug einsammelt. Nun kommt noch hinzu, dass die Steine im Rhythmus der Hintergrundmusik auftauchen, deren Tempo auch noch den Verlauf der Strecke und Geschwindigkeit der Fahrt beeinflusst. Und jetzt bedenken Sie, dass diese Musik nicht vorgegeben ist, sondern Sie eine beliebige Musikdatei oder einen CD-Track aus Ihrer privaten Sammlung wählen können und das Lied dann in ein Spiel-Level umgewandelt wird. Jetzt haben Sie ein Bild von Audiosurf.

Sobald eine Sound-Datei gewählt wurde, wird sie vom Programm analysiert. Welche Stimme gerade »den Ton angibt« wird ebenso beachtet wie die generelle Intensität des Songs. Aus diesen Daten wird eine dreispurige Strecke generiert, die in ruhigen Passagen langsam bergauf führt und schnell abwärts geht, wenn es fetzig wird. Der Spieler steuert seinen futuristischen Gleiter per Maus, Tastatur oder Gamepad, um die ihm entgegenfliegenden farbigen Steine einzusammeln. Um das Fahrzeug herum befindet sich eine Matrix von drei mal sieben Feldern, in denen sich die eingesammelten Steine festsetzen. Wie erwähnt sollen nun Dreierkombinationen (horizontal oder vertikal und auch »um die Ecke«) gebildet werden, dann hagelt es Punkte. Größere Cluster und Kettenreaktionen sind natürlich noch besser. Ein einfaches Spielprinzip, doch übt es eine unheimliche Faszination aus, wie die Klötze im Rhythmus der Musik ankommen, während die abstrakte, leicht psychedelische Umgebungsgrafik gleichsam mit dem Beat pulsiert. Die Umsetzung ist nicht immer perfekt, aber insgesamt doch erstaunlich passend und klappt mit so ziemlich allen Musikarten, wie Rock, Pop, Rap, Techno oder auch Klassik.

Ein bisschen mehr Komplexität steckt aber doch in Audiosurf, denn noch vor dem zu spielenden Lied wählt man einen von 14 Gleitern, aufgeteilt in drei Schwierigkeitsgrade, mit verschiedenen Fähigkeiten. Mit den drei »Mono«-Charakteren wird Audiosurf zum reinen Geschicklichkeitsspiel: Hier gibt es nur eine Art von farbigen Blöcken, allerdings liegen auch graue Klötzchen auf der Straße, die beim Einsammeln ein Feld blockieren, da sie keine Cluster bilden. Außerdem gibt es bei der Endabrechnung einen dicken Punktebonus, wenn man allen grauen Gesellen ausgewichen ist. Die anderen Charaktere sind trickreicher, denn sie haben es mit drei bis fünf Farben zu tun (je nach Schwierigkeitsgrad), deren Verwaltung mit Spezialfähigkeiten erleichtert werden soll. Der Pointman kann Blöcke »zwischenspeichern« und in einer anderen Spur wieder absetzen, Vegas würfelt die Blöcke in hoffentlich günstigere Positionen durcheinander, usw.
Mit Double Vision gibt es sogar einen kooperativen Zweispieler-Modus. Für eine besondere Herausforderung kann man die zwei Fahrzeuge auch alleine steuern, am besten mit den Analog-Sticks eines Xbox 360-Pads. Doch Vorsicht: Ein Bug verhindert noch die Zusammenarbeit mit den inoffiziellen XBCD-Treibern, die dank größerem Funktionsumfang gegenüber den Originaldateien von Microsoft recht beliebt sind. Wer diese nutzt, kann das Pad nicht im Spiel verwenden, sondern muss es vor Spielstart abziehen, sonst leidet die Performance.

Please don’t Stop the Music

Aufgrund der einzigartigen Modularität von Audiosurf ist eine Kampagne irgendeiner Art natürlich unmöglich zu implementieren. So bleibt nur die Highscore-Jagd, doch liegt hier eine weitere Besonderheit des Spiels: Für jeden gespielten Track werden Online-Ranglisten, getrennt nach Schwierigkeitsgrad, angelegt. Das bedeutet, dass man sich mit Spielern auf der ganzen Welt (oder in getrennten Listen auch nur aus dem eigenen Land bzw. nur mit Freunden), die über die gleiche Song-Strecke gejagt sind, messen kann. Auf Wunsch erhält man sogar E-Mails, wenn man die Weltrangliste eines Lieds anführte, aber entthront wurde.

Audiosurf verlangt dem Windows-PC nicht viel ab. Eine CPU der Generation Pentium 4, 512 MB RAM und eine 3D-fähige Grafikkarte mit 32 MB RAM reichen laut Hersteller aus. Die höchste Grafikqualität (in drei Stufen einstellbar) benutzt Pixel Shader 3.0, den Grafikkarten seit etwa vier Jahren eingebaut haben. Der Titel stammt von dem unabhängigen Entwickler Dylan Fitterer und seinem kleinen Team BestGameEver. In der Beta-Phase bildete sich schon eine gewisse Fangemeinde, Zugang zur richtig großen Masse erhielt es aber erst durch Spiele-Entwickler Valve, der anderen großen und kleinen Herstellern häufig die Möglichkeit bietet, ihre Spiele online über das Programm Steam zu verkaufen. So auch bei Audiosurf, das dort für ca. 10 $ (ca. 7 €) erhältlich ist. Valve zeigte sich hier besonders großzügig und spendierte dem Spiel den Soundtrack der Orange Box, ihrer aktuellen Spiele-Sammlung, im mp3-Format.

Fazit

Sieht aus wie ein Science Fiction-Rennspiel à la F-Zero von Nintendo, klingt wie meine CD-Sammlung, spielt sich wie eine Mischung aus Space Invaders und Columns und ist irgendwie genial. Audiosurf zeigt, was für erfrischende Ideen oft aus der Independent-Szene kommen und es freut mich, dass diese dank Firmen wie Valve heutzutage auch unter die Leute zu kriegen sind. Zwar gibt es eigentlich keine Motivation außer der Highscore-Liste, in Wirklichkeit findet man aber keine Ruhe, bis man nicht die eigene Musik-Sammlung durchprobiert hat. Durch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade und Modi ist für jeden die richtige Herausforderung dabei. Ein Musik-Fan, egal ob Casual- oder Hardcore-Gamer, kann beim Kauf kaum etwas falsch machen!

Links
Audiosurf (englisch): audio-surf.com
Steam (englisch, andere Sprachen wählbar): steampowered.com