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Open Source Software (Teil 1)

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Wir verwenden im täglichen Leben mehr Open Source Software (OSS) als wir glauben. Viele User setzen bereits seit Jahren auf Firefox, Thunderbird oder OpenOffice. Und Unternehmen? Verwenden sie auch die quelloffene Software – oder haben sie Angst vor nicht voraussehbaren Gefahren? Und welche könnten das sein?

Was ist Open Source?

Als Open Source (bzw. quelloffen) wird Software bezeichnet, deren Quelltext öffentlich zugänglich ist und der unter einer von der Open Source Initiative (OSI) anerkannten Lizenz steht. Wichtige Kriterien von Open Source Software (OSS) sind vor allem

  • Der Quelltext der Software liegt in einer für den Menschen lesbaren und verständlichen Form vor; d.h. in der Regel als Quelltext einer höheren Programmiersprache und nicht nur als Binärdatei.
  • Die Software darf beliebig kopiert, verbreitet und genutzt werden. Es gibt keine Nutzungsbeschränkungen. Mit der Nutzung oder Verbreitung der Open-Source-Software sind keine Zahlungsverpflichtungen gegenüber einem Lizenzgeber verbunden.
  • Die Software darf verändert und in der veränderten Form weitergegeben werden. Da der Quelltext offen gelegt ist, kann jeder Veränderungen an der Software vornehmen.

Grundsätzlich kann die Veränderung und Weitergabe von quelloffener Software per Lizenz auch untersagt werden. Im folgenden betrachten wir als "echte" OSS jedoch ausschließlich Programme, bei denen Änderungen am Quellcode zulässig sind und die Weitergabe unbeschränkt gestattet ist.

OSS-Lizenzen

Eine der bekanntesten Lizenzen im OSS-Bereich dürfte wohl die GNU General Public License (oft abgekürzt als GPL bzw. GNU-GPL) sein. Diese von der Free Software Foundation herausgegebene Lizenz regelt auf bis zu 20 Seiten (Version 3 in der deutschen Übersetzung) sehr detailliert die Rechte und Pflichten für den Benutzer der OSS, aber auch für den Programmierer. Obwohl ca. 70 % der auf Sourceforge – einem Webportal zur Verwaltung von Softwareprojekten – eingestellten Projekte der GNU-GPL unterliegen, gibt es weitere wichtige Lizenzen, zu nennen sind hier vor allem die BSD-Lizenz der Universität of California (1982) und die MIT-Lizenz des Massachusetts Institute of Technology (1988). 

Kostenlos, umsonst oder was?

Die Motivation OSS-Anwendungen zu entwickeln

Eigentlich ist es ja schon erstaunlich, dass es OSS überhaupt gibt.  Warum kommen Menschen auf die Idee, Programme zu schreiben und diese unentgeltlich der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen? Zeigen nicht zahllose Softwarefirmen, dass man mit "unfreier" Software gutes Geld verdienen kann? Was also ist die Motivation, die hinter OSS-Projekten steht? Interessante Erklärungsansätze hierfür liefert Benno Luthiger in seinem Artikel "Alles aus Spaß? Zur Motivation von Open-Source-Entwicklern". Offenbar ist es ein ganzes Bündel an Motiven, die den Anreiz bieten, an einem OSS-Projekt mitzuarbeiten oder selbst eines aufzusetzen. Dazu gehören unter anderem der Spaß am Programmieren, ohne die Zwänge, die ein Profit maximierendes Softwareunternehmen schafft (z.B. feste Abgabetermine, der Projektleiter hat keinen Bezug zu dem Programm, etc.). Ebenso kann ausschlaggebend sein, durch die Mitarbeit seine persönlichen Kompetenzen zu verbessern (Lerneffekt) oder ein Gefühl der Gruppenzugehörigkeit zu entwickeln. Oder ganz pragmatisch: Man möchte ein bestehendes Problem, für deren Lösung es keine oder keine erschwingliche Software gibt, mit einer Eigenentwicklung lösen. Aber auch kommerzielle Interessen können einen Grund liefern.

Open Source ist nicht gleichbedeutend mit "kostenlos"

Auch wenn OSS keine Lizenzabgaben gestattet, so bedeutet dies nicht, dass ihr Einsatz kostenlos ist, bzw. dass sich damit nicht Geld verdienen lässt. Insbesondere große und komplexe OSS-Projekte sind in der Regel nicht ohne Expertenwissen einsetzbar. So kann zwar jeder die freie MySQL-Datenbank auf seinem Server einsetzen, aber das bedeutet noch lange nicht, dass man eine Datenbank-Anwendung einfach so aus dem Hut zaubert. Ein Content Management System wie Typo3 ist problemlos erhältlich - manche Webhoster bieten sogar automatische Installationsskripte für ihre Hostingkunden. Aber ohne intensive Einarbeitung wird man keine brauchbare Website damit auf die Beine stellen. Hier bietet sich für spezialisierte Dienstleister eine Geschäftsmöglichkeit mit OSS - ohne vom Kunden Lizenzgebühren kassieren zu müssen. Dabei profitieren beide Seiten von Open Source. Der Nutzer von OSS spart die laufenden Lizenzgebühren und bekommt trotzdem professionelle Leistungen. Der Dienstleister muss im Gegenzug nicht in die teuere Weiterentwicklung komplexer Programme investieren, sondern profitiert von der Entwicklungsarbeit der Community. Aber auch die Community und das Projekt können profitieren. Zum Beispiel, wenn Nutzer und Dienstleister durch Bug-Reports, Verbesserungsvorschläge, Übersetzungsarbeit, Mitarbeit an der Dokumentation oder eigenen Programmcode das Projekt verbessern helfen.

Warum OSS? Was spricht für Open Source - und was dagegen?

Die Tatsache, dass OSS keine Lizenzkosten verursacht, ist natürlich ein klares Plus für deren Einsatz. Wie eben schon beschrieben, kann daraus eine Win-Win-Situation für alle entstehen. Dazu kommt, dass die Bindung an einen Entwickler, wie man sie bei z. B. bei der Nutzung von Produkten von Microsoft beobachten kann, entfällt. OSS wird i. d. R. öffentlich weiterentwickelt und überrascht nicht mit plötzlichen Funktionsänderungen, die einen Rattenschwanz an Anpassungen in Hard- und Software nach sich ziehen. Der interessierte OSS-Benutzer hat jederzeit die Möglichkeit, den Entwicklungsprozess der OSS mitzuverfolgen. Hier – wie auch bei kommerzieller Software – sollte jeder, der kein Interesse daran hat, sich mit den Anwendungen, die er verwendet auseinanderzusetzen, Updates und Änderungen mit Vorsicht verwenden, denn natürlich kann auch die neueste Version einer OSS das bisherige Konzept komplett über den Haufen werfen und zu Problemen vielfältiger Art führen.

Wer jedoch ein Interesse an der Softwareentwicklung hat und vielleicht noch in der Lage ist, selbst zu programmieren, dem liegt ein wahres Schlaraffenland zu Füßen. Die quelloffene Architektur von OSS erlaubt jedem, wirklich jedem, den Funktionsumfang nach eigenen Wünschen zu gestalten und zu erweitern. Das birgt aber natürlich auch Risiken. Nicht jeder, der am Quellcode einer Software arbeitet, tut das mit guten Absichten.

Ist Open Source Software unsicherer als proprietäre Programme?

Gerne wird von den Befürwortern von "Closed-Source"-Software das Argument angeführt, dass Open Source Software unsicherer sei, weil ja jedermann den Source Code einsehen könne. In der Regel kann man diesen Befürwortern durchaus eigennützige Motive unterstellen – stellen sie doch meist selber irgendwelche Programme her, die in Konkurrenz zu freier Software stehen. Aber was ist darüber hinaus von diesem Argument zu halten? Natürlich lassen sich Sicherheitslücken leichter ausfindig machen, wenn man den Quellcode zur Verfügung hat, als wenn man das Programm nur als Black Box im laufenden Betrieb untersuchen kann. Daraus einen Nachteil abzuleiten, würde aber unterstellen, dass die Mehrzahl derer, die sich mit dem Auffinden von Sicherheitslücken beschäftigen, kriminelle Motive haben. Die Gefahr krimineller Manipulation bei quelloffener Software ist nur auf den ersten Blick größer als bei kommerzieller Software. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Weil Tausende Zugang zum Quellcode haben, können Mängel und Sicherheitslücken sehr schnell erkannt, kommuniziert und behoben werden. Auch bei kommerzieller Software werden tagtäglich zahllose Sicherheitslücken bekannt, die z. T. schon längere Zeit bestehen, weil die entwickelten Firmen die Probleme deckeln, bis sie Lösungen gefunden haben. Für Kriminelle ein gefundenes Fressen, wenn sie im Schatten des Schweigens ihren Machenschaften nachgehen können.

Besserer Service bei kommerzieller Software?

Die Community-basierte Entwicklung von OSS offenbart beim Theme Service gleichsam ihre Stärken wie auch ihre Schwächen. Wer in der Lage ist, in Support-Foren seine Informationen alleine zusammen zu suchen, wird für die meiste OSS eine sehr breite Serviceplattform finden. Otto Normalverbraucher allerdings, der bequem auf die Möglichkeit eines Servicetelefons oder eines professionellen Supports zurückgreifen möchte, wird hier in den seltensten Fällen Erfolg haben. Für etablierte OSS gibt es allerdings mehr und mehr spezialisierte Dienstleister, die eigenständig einen kostenpflichtigen Support anbieten. Hier gibt es aber keinerlei Standardisierung und auch keine Gewährleistung. Umgekehrt hat wohl jeder schon die Erfahrung gemacht, dass auch bei bezahlter Software guter Service keineswegs sichergestellt ist. Nicht selten war die Zeit in der Warteschleife zwar nicht kostenlos (aufgrund sündhaft teurer Minutenpreise) aber dafür umsonst, weil das Problem nicht gelöst werden konnte.

Die fehlende Gewährleistung mag für manchen auch ein Grund sein, warum er OSS nicht professionell einsetzen möchte. Zerstört beispielsweise eine fehlerhafte OSS-Anwendung einem Steuerberater seine Kundendaten, kann er zwar laut heulend und haareraufend durch die Straßen laufen, wird aber niemanden finden, den er für den entstandenen Schaden haftbar machen kann. Auch der Layouter, der zwei Wochen an einem komplizierten Layout mit einer OSS-Software gearbeitet hat um dann herauszufinden, dass die entstandenen Daten von keiner Druckerei gedruckt werden können, kann sich höchstens betrinken oder wenigstens ärgern, es nicht vor Beginn der Arbeit ausgetestet zu haben. Bezahlt wird hier nur Lehrgeld, keine Entschädigung. Aber, wie weiter unten noch aufgeführt werden wird, es gibt einen eindeutigen Trend hin zu OSS gerade in größeren Firmen, denn auch heute gibt es schon sehr viel mehr stabile und qualitätvolle OSS, als der Laie es sich gemeinhin vorstellt.

Wie sieht es mit der Weiterentwicklung aus?

Garantien, dass ein OSS-Projekt weitergeführt wird, gibt es natürlich nicht. Aber das gleiche gilt auch für kommerzielle Projekte. Beschließt ein Hersteller, ein Programm wegen mangelnder Profitabiliät einzustellen, oder wird er von einem Konkurrenzunternehmen übernommen, der anschließend das Portfolio "bereinigt", steht man als Anwender unter Umständen vor einem größeren Problem als die Nutzer von OSS. Es gibt in der Regel keine Chance, an den Quellcode zu kommen. Damit ist es nicht einmal möglich, selbst irgendwelche Fehler zu beheben, geschweige denn neue Features zu programmieren. So bleibt über kurz oder lang nur der – unter Umständen teure – Umstieg auf ein Konkurrenzprodukt. Ein Beispiel aus eigener, leidvoller Erfahrung ist Money von Microsoft. Das hatte ich jahrelang im Einsatz – bis Microsoft eines Tages (1999 wenn ich mich recht erinnere) beschloss, es für den deutschen Markt nicht mehr weiterzuentwickeln. Nun ist Homebanking-Software eine sehr spezielle Angelegenheit. Da kann man nicht einfach auf die US-Version zurückgreifen und sich mit der englischsprachigen Bedienung abfinden. Es läuft schlicht und ergreifend nicht. Der einzige sinnvolle Ausweg damals war der Umstieg auf Quicken, das ich heute noch nutze. Dabei war das Hauptärgernis nicht so sehr der erneute Kauf einer Vollversion (im Gegensatz zu den relativ preiswerten Updates von MS Money), sondern die Arbeit, die mit der Umstellung verbunden war. Der Import der MS-Money-Daten in Quicken funktionierte nur halb und erforderte etliche händische Nacharbeit.

Bei Open Source ist das anders. Da man vollen Zugriff auf den Quellcode hat, besteht immer die Möglichkeit, selbst Hand an den Code zu legen – egal, ob nur ein Bug beseitigt oder ein neues Feature implementiert werden soll. Und die Chancen, dass sich jemand findet, der das Projekt fortführt, stehen auch oftmals nicht schlecht.

Fortsetzung folgt

Die zweite Hälfte des Artikels behandelt ausführlich den Einsatz von OSS in Unternehmen, befasst sich mit der Frage, welche Art von Programmen es als OSS gibt (und welche nicht) und die beiden Autoren berichten von ihren persönlichen Erfahrungen mit freier Software, bevor sie zum Fazit kommen. Dazu gibt es weitere Links zu den im Text genannten Programmen.

Links

Windows, Linux u.a.

Die wohl größte Open-Source-Webseite der Welt - SourceForge.net: http://sourceforge.net

OSS für Windows (Übersicht): http://www.thomas-guettler.de/vortraege/oss4win/oss4win.html

OpenDisc (englisch): http://www.theopendisc.com/

OpenSource-DVD: http://www.opensource-dvd.de

Artikel, Studien und weitere Informationen zum Thema Open Source

Alles aus Spaß? Zur Motivation von Open-Source-Entwicklern, Benno Luthiger:  http://ig.cs.tu-berlin.de/oldstatic/Think-Ahead.ORG/pdfs/II-2-Luthiger.pdf

Chip Online "Die beste Open-Source-Software 2008": http://www.chip.de/artikel/Die-beste-Open-Source-Software-2008_32146198....

GNU/GPL-Lizenz (deutsche Übersetzung): http://www.gnu.de/index.de.html