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RAW-Converter - die Qual der Wahl auf dem Weg zum guten Bild

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Nachdem ich letztes Jahr vor dem Urlaub schon einmal vor der Frage stand, mich dann aber glücklicherweise um die Entscheidung drücken konnte, erwischte es mich dieses Jahr kalt und unter ungünstigeren Bedingungen: Ich brauchte einen Ersatz für meinen RAW-Converter.

Die Frage eines passenden RAW-Converters stellte sich für mich erstmals 2005. Damals heiratete meine Schwägerin - und ich war mit den Hochzeitsbildern beauftragt. Und um sicher zu gehen, keine Probleme mit falsch belichteten Aufnahmen zu bekommen, setzte ich erstmals RAW im großen Stil ein: ca. 1000 Bilder aus 3 Kameras.
Die modernste Kamera war damals die Canon EOS 1 DII. Photoshop CS1 kam damals mit deren RAWs zurecht, genauso wie mit denen der älteren 10D und der 300D.
Später hatte ich dann auf die CS3 WebSuite gewechselt - und auch diese Photoshop-Version hatte (wie nicht anders zu erwarten) keine Problem mit den Dateien der älteren Kameras. Auch die Anfang 2008 gebraucht gekaufte EOS 1 DsII bereitete in dieser Hinsicht keine Schwierigkeiten, so dass ich bei Photoshop CS3 als meinem bevorzugten RAW-Converter geblieben bin.
Der RAW-Converter von Photoshop weist eine recht aufgeräumte Oberfläche auf, bei der die wichtigen Funktionen schnell zugänglich sind. Das gefiel mir auf Anhieb und hat sich von Version CS1 bis CS3 nicht geändert.

Photoshop CS3 RAW-Entwicklung

Auf der linken Seite ein Rahmen mit den zur Entwicklung bereitstehenden Bildern, in der Mitte das aktuelle Bild und rechts die Werkzeuge für die Entwicklung. Wobei mir zu 99% die Werkzeuge auf dem ersten Tab des Befehlsfensters ausreichen.

Für den diesjährigen Urlaub hatte ich mir extra eine Kamera besorgt, mit deren RAW-Dateien CS3 noch umgehen konnte. Die Wahl fiel auf ein EOS 5D und alles ging gut - bis mir die EOS 5D "abgesoffen" ist. Nun ja - richtig abgesoffen ist sie nicht, sie stand nur in einer Pfütze - was aber reichte, um ein paar Kontakte auf dem DC/DC2 Board zu zerstören, wie mir nach dem Urlaub der Fachmann mitteilte, der die Kamera wieder flott gemacht hat. Die ganze Geschichte hatte ich ja schon früher hier beschrieben.

Ersatz für die schon etwas ältere 5D war nun also eine 1100D. Klein, leicht, gar nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte - doch mit einem Haken: Die RAWs der 1100D wurden vom RAW-Converter in Photoshop CS3 nicht erkannt.
Und da es bei Adobe gepflegte Firmenpolitik ist, ältere Versionen nicht mit Updates für neue Kameras zu versorgen, gab es auch keine Möglichkeit, das zu ändern...

Also musste ich mich nach Alternativen umschauen, da ich nicht von RAW auf JPG umsteigen wollte.
Auf die Schnelle gab es deren 3:
1.) Ich hatte die Software, die mit der 1100D kam. Darin enthalten die aktuelle Version von Canons Digital Photo Professional. Diese kann natürlich mit den RAWs der Kamera umgehen, mit der sie ausgeliefert wurde.
2.) Ich hatte eine Demoversion von Adobes Lightroom 3, die auf dem Macbook noch nicht installiert war und also für 30 Tage die aktuelle Adobe RAW-Unterstützung bieten würde.
3.) Ich hatte ebenfalls eine noch nicht installierte Demoversion von Phase One Capture, die auch für 30 Tage laufen würde.

Die Qualität der entwickelten RAW-Dateien sollte sich nach allem, was ich bisher gelesen habe, nicht groß unterscheiden. Auch hatte ich bei der Verwendung des Photoshop-Konverters nie das Gefühl, dass mir irgendwas fehlen würde. Also musste die Entscheidung für eines der Systeme „aus dem Bauch heraus“ erfolgen. Sprich: Das Programm, das mir auf Anhieb am aufgeräumtesten erscheint und das sich am besten in meinen Workflow einfügt, hatte die besten Karten.

Aus meiner Erfahrung mit Canons DPP wusste ich, dass die Verwendung dieser Software eigentlich nur im absoluten Notfall in Frage käme. Ich hatte mir DPP schon zu Hause mal angeschaut, und fand es extrem un-intuitiv.

So öffnet sich das Bild zur Bearbeitung erst nach einem Doppelklick auf das Übersichtsbild, die Palette mit den Werkzeugen und den Anzeigen für die zu ändernden Parameter befinden sich in einer über dem Bild schwebenden Palette – die sich glücklicherweise verschieben lässt.

Eigentlich kein großer Unterschied zu Photoshop - aber zum einen stört mich dass die zu bearbeitenden Datei separat geöffnet wird - und dann habe ich den Eindruck, als fehle in der Werkzeugpalette was, auch wenn das u.U. gar nicht der Fall ist.

Will man in Lightroom Fotos entwickeln, wird einem sogar noch ein Schritt mehr aufgezwungen als es das separate Öffnen in DPP gegenüber Photoshop ist: Die Bilder müssen erst zur Bibliothek hinzugefügt werden. Das ist natürlich dämlich, wenn man - wie z.B. bei Sportaufnahmen - eine deutlich größere Anzahl Bilder aufnimmt, als man dann behalten will.
Der Grund dafür ist einfach: Lightroom ist nicht nur ein RAW-Konverter, sondern auch eine Bilddatenbank und tritt als solche in Konkurrenz zu iViewMedia Pro oder zu Apples Apperture – aber da ein Wechsel weg von meiner Bilddatenbank nicht geplant ist, ist diese Feature für mich ein unnötiges.
Für die reine Nutzung als Konverter unpraktisch ist auch, dass nicht nur RAW-, sondern auch JPG-Dateien in der Bibliothek angezeigt werden, so dass man bei der Auswahl des Bildes zur Bearbeitung aufpassen muss, welche Variante man öffnet.

Die Oberfläche des RAW-Konverters von Lightroom, wirkt "moderner" als die des Konverters in Photoshop CS 3. Was meint, dass die einzelnen Unterpunkte auf der rechten Seite durch Klicken auf einen Pfeil ein- und wieder ausgeblendet werden. In PS CS3 sind die Unterpunkte über Tabs erreichbar.

Mit welcher Variante man besser zurechtkommt, ist sicher eine Frage der Gewohnheit. Was mich viel mehr stört, ist das überwiegend dunkel gehaltene Design der GUI. Zwar kann man die Hintergrundfarbe des Hauptfenster ändern (im obigen Beispiel habe ein etwas helleres Grau gewählt), nicht aber die der Bedienelemente. Aber hier scheint Lightroom dem aktuellen Trend zu folgen. Auch die Oberflächen von Capture One und Apperture sind dunkel gehalten. Vielleicht, damit das Bild im Vordergrund steht?

Capture One 6 bietet einem die Möglichkeit sowohl die „Express“ als auch die „Pro“ Version 30 Tage zu testen. Dabei bietet die „Pro“ Version z.B.

  • Styles und Voreinstellungen, die automatisch auf die importierten Bilddateien angewandt werden - die Möglichkeit, Bilder auf iPhone, iPod oder iPad zu betrachten,
  • Funktionen zum Erstellen von Schwarz-Weiß Bildern
  • Diverse Korrektur-Filter für Objektive
  • CMYK-Ausgabe, wichtig für Fotografen, die mit der Druck-Vorstufe zusammenarbeiten
  • Da es für meinen Test nicht relevant war, habe ich die „Pro“ Version ausgewählt.

Bei Capture One steht nach dem Öffnen ein Bild im Fokus – so wie bei Photoshop auch. Allerdings verstecken sich die Elemente zum Steuern der Entwicklung hinter Symbolen, denen man ihre Bedeutung nicht unbedingt ansieht.

Schaut man sich die einzelnen Elemente näher an, so findet sich durchaus Interessantes. So gibt es beim Weißabgleich die Möglichkeit, den Weißabgleich anhand eines vorher definierten Hauttons durchzuführen – das kann z.B. bei einer Serie von Portraits interessant sein.

Da ich nun aber die Abende im Urlaub nicht damit verbringen wollte, mich in verborgene Funktionen mir bisher unbekannter Software einzuarbeiten, griff ich zur "radikalen Lösung": Ich entschied mich dazu, die aktuelle Photoshop-Version (CS5.1) herunterzuladen. Glücklicherweise bedeutete das "unlimited" im Namen des von mir genutzten Internet-Tarifs auch genau das: Keine Volumenbegrenzung. So stellten die knapp 1,5 GB kein Problem dar. Am nächsten Morgen war die Software geladen und konnte Installiert werden. Da ich nur 14 und keine 30 Tage im Urlaub war, war die Zeitbeschränkung auch kein Hindernis.

Rein optisch hat sich zwischen CS3 und CS5.1 nicht viel geändert - alle Funktionen waren da, wo sie auch früher schon waren, so dass ich mich nun wieder der Hauptsache widmen konnte: Urlaub machen.