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Spiele-Historie - Duke Nukem (Teil 1)

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Mit Erscheinen des Titels Duke Nukem Forever hatte der längste Running Gag der Computer- und Videospiele-Geschichte ein Ende. 1997 als Nachfolger von Duke Nukem 3D angekündigt, zog sich die Entwicklung so sehr in die Länge, dass kaum noch jemand ernsthaft mit einer Veröffentlichung rechnete. Noch vor zwei Jahren schienen die Zweifler recht zu behalten und das Spiel am Ende zu sein. Doch am 10. Juni 2011 geschah das Unglaubliche und das Spiel erschien.

Was das Besondere an Duke Nukem ist und wie sich das fertige Spiel letztendlich schlägt, will ich in zwei Ausgaben der Spiele-Historie versuchen zusammenzufassen.

Die Anfänge (1, 2, 3D)

Duke im ersten SpielDie Geschichte des Helden Duke Nukem (Duke = Herzog; Nukem ist eine Kontraktion von „Nuke them“, in etwa „Bomb’ sie nieder“) beginnt recht bescheiden. Im gleichnamigen PC-Spiel von 1991 bekämpft das blonde Muskelpaket den verrückten Dr. Proton, der, wie könnte es anders sein, die Weltherrschaft anstrebt. Die geschieht in Form eines noch recht simplen Side-Scrollers, in dem Duke in 16-Farben-Grafik (EGA) durch diverse Levels springt und schießt. Das Spiel war eines der ersten des Entwicklers Apogee, die in den frühen 90ern Erfolg mit ihrer Shareware-Taktik hatten: Etwa das erste Drittel eines Spiel wurde kostenlos veröffentlicht, der Rest konnte nachgekauft werden.

Einige Bilder aus dem Spiel findet man unter diesem Link.

Duke in Teil 2Duke hatte schon damals viele Fans, daher erschien 1993 schon Duke Nukem 2, diesmal in „prächtiger“ VGA-Grafik (256 Farben). In der Spielwelt ist Duke nun nach der Rettung der Welt natürlich ein Volksheld, doch leider wird er von bösartigen Außerirdischen entführt. Doch Duke wäre nicht Duke, wenn er sich nicht selbst freikämpfen und ein ganzes Spiel damit zubringen würde, den Aliens mit Waffengewalt die Meinung zu geigen und einen Weg zurück zur Erde zu finden. In kurzen, gezeichneten Videosequenzen vor allem zu Beginn des Spiels kam schon ansatzweise der parodistische Humor durch, der die Spieleserie und den Helden später besonders prägen sollte. Duke ist eine überzeichnete Version klassischer Actionhelden der Marke Schwarzenegger und stellt seine Autobiographie unter den Titel „Why I’m So Great“ (Warum ich so toll bin). Richtig ausgebaut wurde dieser Aspekt aber erst im dritten Teil der Reihe, der die bis heute bestehende Beliebtheit des Charakters endgültig begründete.

Screenshots aus Duke Nukem 2 findet man hier.

Die folgenden Jahre brachten den Aufstieg der Ego-Shooter: Anfangs noch in Pseudo-3D-Grafik ballerte man neuerdings die Gegner in der Ich-Perspektive nieder statt aus der Seitenansicht. Als Pionier tat sich hier insbesondere id Software hervor, einige ihrer frühen Spiele wurden auch von Apogee veröffentlicht. Um sich voll dem Trend zu widmen, gründeten diese das Label 3D Realms, unter dem in Zukunft alle 3D-Titel erscheinen sollten. Und einer dieser Titel war natürlich Duke Nukem 3D (DN3D), das 1996 erschien. Zwar veröffentlichte im selben Jahr id Software ihr Quake, das erstmals vollständig auf 3D-Modelle setzte, doch der Duke musste mit zweidimensionalen Sprites als Gegner vorlieb nehmen. Vom Spieldesign her wirkte er aber frischer und moderner. Streifte man in Quake ständig durch dunkle Gewölbe, stapft der Duke durch eine bunte, überzeichnete Version von Los Angeles und andere Ortschaften, etwa eine Raumstation. Legendär sind die Interaktionsmöglichkeiten mit der Umgebung und der respektlose Humor: Man kann bspw. Toiletten benutzen, was mit einem erleichterten Stöhnen quittiert wird und Dukes Lebensenergie etwas auffüllt. Der Held kann sich in all seiner muskulösen, sonnebebrillten Pracht im Spiegel bewundern oder den Tänzerinnen in Strip-Clubs Geldscheine zustecken. In solchen Situationen oder auch während Kämpfen lässt er markige Sprüche mit der Stimme des Sprechers Jon St. John los, die seitdem fest mit dem Charakter verknüpft ist.
Die Story: Nach dem Ende des Vorgängers ist unser Held auf dem Rückflug zur Erde, doch sein Weltraumflitzer wird abgeschossen. Es stellt sich heraus, dass sich eine weitere Alienrasse auf unserem Planeten breit gemacht hat und zu allem Überfluss auch noch alle sexy Frauen entführt. Da wird ein Weiberheld wie Duke Nukem natürlich mächtig sauer und fackelt nicht lange: „It’s time to kick ass!“
Duke in DN3DNeben dem oben beschriebenen Schnickschnack werden natürlich auch zahlreiche Feindarten mit unterschiedlichen Schusswaffen bearbeitet. Doch auch hier greift der typisch-schräge Duke-Stil: Ein Standard-Gegnertyp sind die Pig Cops, zu zweibeinigen Wildschweinen mutierte Polizisten mit Schrotflinte. Neben dieser und anderen Standardknarren warten im Waffenarsenal noch echte Verrücktheiten: Der Schrumpfstrahler verwandelt jeden Gegner in einen Winzling, der mit einem beherzten Fußtritt endgültig zerlegt werden kann. Ähnlich ergeht es den Gegnern, die mit der Eiskanone eingefroren wurden. Für pure Zerstörung sorgt dagegen ein doppelläufiger Schnellfeuer-Raketenwerfer namens „Devastator“.
Neben dem Einzelspieler-Abenteuer ebenfalls beliebt: Im „Duke Match“ konnte man sich über Netzwerk gegenseitig bekämpfen, mit allen Waffen und anderen Hilfsmitteln, etwa einem Jetpack, wie im Singleplayer.
Passend zur comicartigen Überzeichnung der gesamten Spielwelt gab es in DN3D auch eine recht deftige Gewaltdarstellung. In Deutschland wurde es, wie fast alle 3D-Shooter zu seiner Zeit, von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert. Es darf also nicht an Minderjährige verkauft und auch nicht offen beworben werden. Diese Indizierung hat bis heute Bestand, wirkt aber überholt. Dank überarbeiteter Jugendschutzgesetze entgehen heute Spiele mit wesentlich realistischer Grafik und ähnlichem Gewaltgrad der Indizierung, nachdem sie von der USK ab 18 freigegeben wurden (bzw. „keine Jugendfreigabe“ erhielten).

Eine Bilderauswahl dazu befindet sich hier.

Jedenfalls war DN3D ein großer Erfolg und es verwunderte nicht, dass schon im nächsten Jahr, 1997, eine Fortsetzung angekündigt wurde. Der Titel: Duke Nukem Forever (DNF). Diesmal wurde die von id Software für Quake 2 entwickelte Grafik-Engine lizenziert, um mit modernen 3D-Standards mithalten zu können. Doch es kam alles etwas anders, als man damals dachte...

Das große Warten, Teil 1

Das Unheil kündigte sich an, als 1998 das Spiel Unreal von Epic Games erschien, das mit selbst entwickelter Engine beeindruckende Außenwelten (für damalige Verhältnisse) ermöglichte. 3D Realms (3DR) war davon so begeistert, dass man beschloss, DNF auf dieser Basis weiter zu entwickeln. Auch wenn Firmenchef George Broussard damals Anderes behauptete, musste daraufhin die Entwicklung praktisch komplett neu begonnen werden. Mit dem Mehrspieler-Ableger Unreal Tournament erschien 1999 eine aktualisierte Version der Grafiktechnologie, die von 3DR ebenfalls übernommen wurde. Zwischen 1999 und 2001 wurde einiges an viel versprechendem Bild- und Video-Material vorgestellt, das auf eine baldige Veröffentlichung eines großartigen Spieles hoffen ließ. Doch dann wurde es still um den Titel. Als geplanter Veröffentlichungstermin wurde nur angegeben „when it’s done“ – wenn’s fertig ist.

In der Zwischenzeit machte das Genre viele Entwicklungen durch. Spiele wie Half-Life (1998) von Valve Software führten mehr Story-Elemente in die bisher oft stumpfen Ballerorgien ein, Half-Life 2 (2004) nutzte eine Physik-Engine, um dem Spieler zu ermöglichen, Gegenstände herumzuwerfen oder die Schwerkraft für kleine Rätsel im Spiel zu nutzen. Die letzten zehn Jahre standen zudem unter dem Stern der Multiplattform-Entwicklung. Shooter werden heutzutage meistens parallel für Windows-PC, Xbox 360 und PlayStation 3 veröffentlicht und daher an die Steuerung mit Gamepads mit zwei Analog-Sticks angepasst (während man am PC üblicherweise mit Maus und Tastatur spielt). Ein Vorreiter für diesen Trend war Halo (2001) von Bungie auf der ersten Xbox. Eine Innovation daraus, die sich mittlerweile etabliert hat, ist die selbst regenerierende Lebensenergie. Statt Medipacks einzusammeln, um den Lebensbalken aufzufüllen, geschieht dies automatisch nach einigen Sekunden ohne Feindbeschuss.

Nur gelegentlich hörte man in dieser Zeit etwas von Altmeister Duke Nukem, das Spiel wollte einfach nicht fertig werden. Wie die Geschichte schließlich ihr Ende fand und ob sich das Warten auf Duke Nukem Forever gelohnt hat, wird im bald folgenden nächsten Teil der Spiele-Historie verraten.