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Wii für Erwachsene - Die ersten Jahre (Teil 1)

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Der traditionsreiche japanische Konsolen- und Spielehersteller Nintendo lieferte mit der Ende 2006 erschienenen, innovativen Spielkonsole Wii einen Überraschungshit ab. Die intuitive bewegungssensitive Steuerung und simple Spielprinzipien erschlossen ganz neue Käufergruppen. Neben den typischen Videospielern, meist Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, begeisterten sich plötzlich auch überzeugte Nichtspieler und Senioren für das bunte Treiben auf dem Bildschirm, das man statt mit (in ihren Augen) komplizierten Knopf-Kombinationen durch logisch nachvollziehbare Bewegungen steuert. Nun sind das natürlich Erwachsene, in der Überschrift ist aber etwas anderes gemeint: Durch den großen Erfolg in dieser „Casual“-Gruppe (Gelegenheitsspieler) und der resultierenden Tendenz der Hersteller, vermehrt simple und „niedliche“ Spiele auf den Markt zu werfen, ist die Größe des Angebotes an Spieletiteln für die „Hardcore“-Gemeinde („ernsthafte“ Spieler, die komplexere Prinzipien bevorzugen) enttäuschend klein. Auch ich gehöre zu den Spielern, die sich darüber ärgern. Die Steuerung mit den Controller-Bestandteilen Wiimote und Nunchuk schien perfekt geeignet für kernige Actionspiele, ob mit Schusswaffen oder Schwertern. Nun sind durchaus einige Spiele dieser Art erschienen, die Menge ist aber recht überschaubar und wie überall schwankt die Qualität. Ich will hier eine subjektive Übersicht geben, von Titeln, mit denen ich selbst viel Spaß hatte oder die in Presse und Spielergemeinde große Beachtung fanden. Dabei soll es keinesfalls nur um brutale Ballerorgien und ähnliches gehen, auch wenn in der Richtung einiges dabei sein wird. Vielmehr werden Spiele vorgestellt, die ein „erwachsenes“ Erlebnis und spielerischen Anspruch bieten, aber teilweise auch für Jüngere geeignet sein können. Natürlich können auch ältere Semester mit kindgerechter Software Spaß haben, aber hier soll es eben um Anderes gehen. Die Spiele in diesem zweiteiligen Artikel stammen aus den Jahren 2006-08.
Noch ein Hinweis: Wer noch etwas Hintergrundwissen zu Prinzip und Funktionsweise der Wii-Konsole braucht, sei auf den Wikipedia-Artikel verwiesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Wii

Bully: Die Ehrenrunde

Dieser „kleine Bruder“ der berühmt-berüchtigten Grand Theft Auto (GTA)-Serie, entwickelt von Rockstar Games, erschien ursprünglich 2006 (in Europa als Canis Canem Edit) auf der Playstation 2 und mit dem Zusatz Die Ehrenrunde (englisch Scholarship Edition) etwas erweitert 2008 unter anderem für Wii. Der Spieler übernimmt die Rolle des 15-jährigen Schülers Jimmy Hopkins, der sich in einem Internat gegen die diversen Schülergruppen durchschlagen muss. Dabei werden genüsslich diverse amerikanische Highschool-Klischees durch den Kakao gezogen: brillentragende Nerds werden von tumben Sportlern gepiesackt, schmalzlockige „Greasers“ schrauben an ihren Fahrrädern und arrogante reiche Kids rümpfen über all dem die Nase. Jimmy kann sich auf dem Schulgelände und einer Kleinstadt frei bewegen, diverse Missionen annehmen, welche die Story vorantreiben, oder mit etlichen kleinen Nebenbeschäftigungen die Zeit vertreiben. Dabei bleiben Prügeleien mit Mitschülern nicht aus, die sich durch Schwingen der beiden Controller-Bestandteile witzig steuern. Auch „Waffen“ wie Juckpulver oder Feuerwerkskörper kommen zum Einsatz. Zwar treibt man im Laufe der Zeit recht derbe Späße mit Schülern, Lehrern und Städtern, doch tödliche Gewalt, Autoklau, Drogen und Sex bleiben tabu. Dies führte zu einer Freigabe ab 16 Jahren. Unterricht gibt es auch, er findet in Form von unterhaltsamen Minispielen statt, in denen die spezielle Wii-Steuerung besonders gut zur Geltung kommt. Pflicht sind die nicht, man darf sich beim Schwänzen aber natürlich nicht erwischen lassen. Das Spiel ist voll von bissigem Humor, Dialoge werden von ausgezeichneten amerikanischen Sprechern vorgetragen, dazu gibt es deutsche Untertitel. Grafisch ist Bully nicht auf der Höhe der Zeit, aber es hat einen ordentlichen Umfang und bietet damit langen Spielspaß.

Call of Duty 3 & Call of Duty: World at War

Call of Duty ist eine Reihe von Ego-Shootern auf mehreren Systemen, die dem Spieler die Schrecken des Krieges, meistens der Zweite Weltkrieg, in der Rolle einfacher Soldaten verschiedener Parteien in kurzen, aber intensiv und bombastisch inszenierten Kampagnen nahe bringt. Ende 2006 war Teil 3 aktuell und erschien daher auch als einer der ersten Genre-Vertreter auf Wii. Die Steuerungsmethode war damals noch neu und das Zielen und Umsehen mit der Zeigerfunktion der Wiimote wurde allgemein als schwammig beschrieben. Auch grafisch musste man natürlich Abstriche machen und ein Mehrspielermodus fehlte komplett.
Zwei Jahre später kehrte die Serie mit Teil 5 auf die Nintendo-Konsole zurück und machte alles etwas besser. Sogar online kann man sich hier bekämpfen. Neben dem sehr gelungenen Action-Gameplay wird in World at War stärker als bisher die moralische Fragwürdigkeit des Krieges thematisiert. Ob das für zusätzliche Spannung sorgt oder den Ballerspaß trübt, muss jeder selbst entscheiden. Aufgrund deutscher Gesetzgebung wurden hierzulande jedenfalls gewisse Nazi-Symbole entfernt, auch Gewaltzensuren sind möglich. Trotzdem haben beide Spiele keine Jugendfreigabe.

Geheimakte Tunguska

Dieses 2006 auf dem PC erschienene Adventure wurde 2008 für Wii umgesetzt. Die Wiimote wird als Mausersatz genutzt, denn hier gibt es klassisches Point’n’Click-Gameplay. Im Rahmen einer spannenden Mystery-Geschichte führt man Heldin Nina auf der Suche nach ihrem Vater von Berlin bis nach Sibirien. Wie im Genre gewohnt löst man dabei Rätsel durch Kombinieren von Gegenständen und führt Gespräche mit diversen Charakteren. Alles läuft ohne Zeitdruck und Gewaltausübung ab. Durch das gute Rätseldesign, gelungene Story, hübsche Grafik und eine durchdachte Steuerung mit einigen Komfortfunktionen gilt Geheimakte Tunguska vom deutschen Hersteller Silver Style als einer der besten Genrevertreter der letzten Jahre. Auf dem PC ist auch schon die Fortsetzung Geheimakte 2: Puritas Cordas erschienen. Beide sind in Deutschland ab 6 Jahren freigegeben.

Guitar Hero 3: Legends of Rock, Guitar Hero World Tour & Rock Band

Die Guitar Hero-Erfolgsgeschichte begann auf der Playstation 2 und fand 2007 mit dem dritten Teil auch ihren Weg ins Nintendo-Lager. Rock-Fans können hier eine ganze Latte bekannter Stücke verschiedenster Stilrichtungen nachspielen. Die Besonderheit ist der mitgelieferte, gitarrenförmige Controller, der statt dem Nunchuk an die Wiimote angeschlossen wird. Statt Saiten schlägt man nur eine Wippe mit dem Daumen an, die andere Hand „greift“, indem man bis zu drei der fünf bunten Knöpfe am Gitarrenhals drückt. Ein durchlaufendes Band auf dem Bildschirm zeigt die zu spielenden „Noten“ an. Im Laufe der Karriere für Einzelspieler oder kooperativ zu zweit werden die Lieder immer schwieriger, zudem gibt es fünf Schwierigkeitsgrade. Generell ist der Anspruch merklich höher als bei den Vorgängern; Erfahrung mit diesen ist sehr von Vorteil. Für zwei Spieler gibt es noch weitere Spielmodi, sogar online kann man abrocken, noch immer ein Novum für Wii-Spiele.
Konkurrent Nr. 1 für Guitar Hero ist Rock Band (obwohl vom ursprünglichen GH-Entwickler Harmonix programmiert...). Wie der Name andeutet, ist man dort nicht mehr auf die Rolle des Gitarristen beschränkt, sondern kann die gesamte Band mit vier Spielern bestücken. Neben zwei Gitarren-Controllern (auf Wii sind GH und RB-Controller nicht austauschbar) gibt es ein Mikrofon für den Sänger und eine vereinfachte Schlagzeug-Nachbildung. Ansonsten bleibt das Prinzip ähnlich. Im Vergleich zu den Fassungen für die HD-Konsolen Playstation 3 und Xbox 360 wirkt die Wii-Version leider stark abgespeckt.
Besser gelungen ist die Umsetzung beim vierten GH-Teil, der es sich nicht nehmen ließ, die Features der Konkurrenz zu übernehmen. Das Schlagzeug hat ein Element mehr, ansonsten bleibt alles ähnlich. Die Wii-Version hat einen exklusiven „Freestyle“-Modus. Bei beiden wurde der Schwierigkeitsgrad wieder herunter geschraubt, so dass sie sich mehr denn je als Partyspiele eignen. Am meisten Spaß machen sie, wenn man regelmäßig zu viert spielen kann, wie in einer richtigen Band eben. Bei allen diesen Spielen ist der beachtliche Preis für die Hardware-Ausrüstung zu beachten. Die Altersfreigabe ist dafür zu vernachlässigen: Keine Beschränkung durch die USK.

Guitar Hero 3

Medal of Honor-Reihe: Vanguard & Heroes 2

Wie Call of Duty ist auch Medal of Honor eine seit Jahren auf diversen Systemen ausgeschlachtete Serie von Actionspielen im Zweiten Weltkrieg. Als erster Wii-Ableger erschien mit MoH Vanguard Anfang 2007 ein Durchschnitts-Shooter ohne weitere Besonderheiten neben der bewegungssensitiven Steuerung. Als US-Soldat ballert man haufenweise wenig intelligente Nazi-Soldaten über den Haufen und erfüllt Missionen wie etwa das Sprengen eines Geschützes – keine herausragenden Eigenheiten und eine unreflektierte Darstellung des Kriegsgeschehens. Erwartungsgemäß erhielt auch dieser von Nazi-Symbolik bereinigte Shooter keine Jugendfreigabe.
Ende desselben Jahres erschien schon der nächste Teil, MoH Heroes 2. Überraschenderweise gilt dieser als deutlich besseres Spiel dank spannenderem Aufbau und leichten Verbesserungen bei Steuerung und Grafik. Zudem wurde an einen ordentlichen Mehrspielermodus gedacht und als Bonus gibt es einen Arcade-Modus, in dem sich die Spielfigur auf festen Bahnen bewegt und man sich nur aufs Ballern konzentriert. Dieser Modus in Kombination mit unseren strengen Jugendschutzbestimmungen ist vermutlich ein Grund, warum Heroes 2 in Deutschland nicht erschienen ist. Über Online-Versandhändler sind solche Titel für Volljährige aber trotzdem recht leicht zu kriegen.

Metroid Prime 3: Corruption

Metroid ist eine Serie von Action-Adventures mit Science-Fiction-Setting, die auf dem NES begann. Mit Metroid Prime für den Gamecube schaffte sie den Sprung in die Dreidimensionalität und präsentierte das Geschehen aus der Ego-Perspektive. Trotzdem wurde kein reiner Shooter daraus. Heldin Samus Aran lässt in ihrem Kampf gegen Weltraumpiraten und die gefährliche Substanz Phazon zwar auch häufig die Waffen ihres Kampfanzugs sprechen, nutzt aber auch seine anderen Fähigkeiten: Zu einer Kugel zusammengerollt erforscht man Tunnelsysteme, das Scannen von Objekten und Lebensformen bringt Informationen und verschiedene Waffensysteme dienen nicht nur zum Kämpfen, sondern auch um Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Sie müssen aber im Laufe des Spiels erst gefunden werden, was der Hauptantrieb zum Erforschen der exotischen Spielwelt ist. Teil 2 erschien ebenfalls für Gamecube, Teil 3 dann 2007 Wii-exklusiv mit einigen Verbesserungen. So gibt es erstmals in der Serie Sprachausgabe und damit mehr Handlung. Natürlich wurde die Steuerung angepasst; während feindliche Wesen bisher immer auf Knopfdruck automatisch anvisiert wurden, kann man jetzt auch von Hand zielen. Die ohnehin gute Grafik wurde weiter verbessert, womit Corruption zu einem der bestaussehenden Wii-Spiele wurde. Auch spielerisch wird es von den meisten als Highlight im Lineup angesehen. Spannende Action, besonders in Bosskämpfen, ausgeklügeltes und faszinierend gestaltetes Leveldesign gehören zu den Stärken der Serie, die in Teil 3 besonders gut zur Geltung kommen. Wohl aufgrund des „realistischeren“ Zielens hat Metroid Prime 3 eine Freigabe ab 16, während die beiden Vorgänger noch ab 12 waren. Diese werden übrigens voraussichtlich im Laufe dieses Jahres im Rahmen der Reihe „New Play Control“ für Wii umgesetzt.

Die zweite Hälfte des Alphabets folgt im nächsten Teil mit weiteren echten Top-Titeln.