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Grün ist die Hoffnung

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Der Spruch ist altbekannt. Neuerdings gilt er anscheinend auch für die Informationstechnologie. Wer z.B. in diesem Jahr die CeBIT besucht hat, wurde von allen Seiten mit dem Thema "Green IT" angesprochen, ja belästigt. Aber wie grün ist denn die IT wirklich und wie sinnvoll ist diese Diskussion überhaupt?

Es ist schon auffällig, welchen breiten Raum das Thema "Green IT" in der Öffentlichkeitsarbeit der Hardware- und Softwarehersteller inzwischen einnimmt. Selbst "Big Blue" war auf der CeBIT in diesem Jahr nicht mehr blau, sondern grün. Es stellt sich allerdings die Frage, ob dahinter ein ernsthaftes Anliegen steckt, oder wieder nur ein neuer Marketing-Gag (in Ermangelung anderer, wirklich interessanter Themen).

In den Anfängen zielte die Diskussion vor allem auf Themen wie die Vermeidung umweltschädigender oder gar giftiger Materialien in der Fertigung - vor allem in Billiglohnländern - und auf die Rücknahme und das Recycling von Altgeräten ab. Dieses sehr berechtigte Anliegen war den Herstellern wohl etwas unangenehm, da es eine gewisse Verteuerung des Produktionsprozesses nach sich ziehen konnte (man denke nur an die Kritik von Greenpeace und die Reaktion von Apple, siehe http://www.apple.com/de/environment/). Dieser Aspekt wurde in der Diskussion in letzter Zeit aber wieder etwas in den Hintergrund gedrängt: Ganz vorne steht nun vor allem der Energieverbrauch der Hardware. Mancher Produzent könnte möglicherweise froh sein, wenn von den Zuständen in seinen Fabriken abgelenkt wird, wo vielleicht Minderjährige zu Minimallöhnen Elektronikgeräte unter hierzulande undenkbaren und gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen zusammenschrauben, die dann zu Schnäppchenpreisen in unseren Verbrauchermärkten landen...

Da ist der Energieverbrauch vergleichsweise noch das angenehmere Thema, auch wenn dort z.B. angeführt wird, dass ein mittelgroßer Server so viel Energie verbraucht, wie einer der ebenfalls gerne kritisierten SUVs oder Geländewagen. Es wird auch geschätzt, dass die mehr als eine Milliarde Computer auf der Welt so viel Kohlendioxid produzieren, wie der gesamte Flugverkehr auf der Welt. In einer modernen Industrienation wie Großbritannien würde durch Computer bereits ein Zehntel des gesamten Stromverbrauches erzeugt, was der Produktion von vier Kernkraftwerken entspräche. Man erkennt schon: Die Informationstechnologie wird damit eingereiht in die Liste der großen Umweltsünder auf der Welt. Ist es denn aber wirklich so, dass jeder IT-Anwender nun ein schlechtes Gewissen haben sollte? Ist der Gebrauch von Computern moralisch wirklich gleichzusetzen mit dem Ablassen von Altöl im Feuchtbiotop?

Vielleicht sollte man sich an dieser Stelle doch auch einmal die positiven Effekte des Einsatzes von Informationstechnologie vor Augen führen. Der Traum vom "papierlosen Büro" ist zwar ausgeträumt, aber die Verbreitung von Informationen auf Datenträgern oder über das Internet spart sicherlich eine Menge Papier zur Rettung des Waldes ein - sofern die Anwender endlich von der verbreiteten Unsitte abrücken, jede E-Mail auszudrucken und in Ordnern abzuheften (inzwischen sind Aufrufe, dieses zu unterlassen, bereits in zahlreichen E-Mail-Signaturen zu finden...). Die Möglichkeiten, über das Internet von zu Hause aus seiner Arbeit nachzugehen, Dokumente auszutauschen, Videokonferenzen zu führen und ähnliche Neuerungen verbreiten sich immer mehr und führen bestimmt dazu, dass viele Autofahrten zu Arbeit und andere Geschäftsreisen nicht unternommen werden müssen, mit entsprechend positiver Wirkung für den Klimaschutz.

Das könnte man bestimmt noch fortsetzen. Warum wird damit eigentlich nicht geworben? Weil leider nur ein ganz geringer Anteil der Leute (nach einer Erhebung in den USA ca. 12 Prozent) tatsächlich bereit wären, für eine "grünere" Technologie auch mehr Geld auszugeben. Damit sind wird dann aber offensichtlich beim Kern des Problems angekommen. Es geht - wieder einmal - um das liebe Geld, denn Energieverbrauch verursacht Kosten (oft vor allem auf dem Umweg über die Verlustleistung, sprich Abwärme, und die dann erforderliche Kühlung bzw. Klimatisierung). Wenn also heute Prozessoren und Computer konstruiert werden, die weniger Strom fressen, wenn der Stand-By-Verbrauch von ungenutzten Geräten verringert und die Auslastung der laufenden Geräte erhöht wird, z.B. durch Konsolidierung zahlreicher kleiner Maschinen in eine leistungsfähigere Einheit, ja wenn man sogar Software so umschreibt, dass sie angeblich weniger Stromverbrauch verursacht (wenn man daran denn wirklich glauben mag), dann nicht wegen grüner Gesinnung, sondern aus ganz einfachen ökonomischen Beweggründen heraus.

Man kann zusammenfassen: Die "grüne" Informationstechnologie ist auf jeden Fall sinnvoll und erstrebenswert. Sie ist aber - wenn man vor allem den Energieverbrauch thematisiert - nicht in erster Linie umweltfreundlicher, sondern einfach kostengünstiger. Wenn man einen Entscheider in einem Unternehmen (oder einen Verbraucher) vor die Wahl stellt, entweder eine Verbesserung der Umweltverträglichkeit, oder eine Kostensenkung zu erreichen, dann würde sich die Mehrheit für die Einsparung und gegen den Umweltschutz entscheiden (oder entscheiden müssen, im Hinblick auf Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit, etc. - man kennt das ja). Zum Glück ist in diesem Fall jedoch eine Entscheidung so nicht notwendig, die Kosteneinsparung geht ja mit dem positiven Effekt auf die Umwelt einher. Damit ist dann auch die momentane Begeisterung der Industrie für "Green IT" gut zu verstehen, verspricht sie doch eine Investition in neue, verbesserte Geräte und damit wieder Umsatz für die Hersteller zu erzeugen. Man sollte nur eben die Beweggründe nicht ganz vergessen, die hinter all den Marketing-Botschaften stecken...

Späte Bestätigung...

EIn interessanter Beitrag, der diese These stützt: http://w3.cio.de/red.php?r=453628316454741&lid=38364&ln=25