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Leidenschaftlicher PC-Spieler bin ich schon seit vielen Jahren. Auch wenn die Zeiten, in denen man alle zwei Jahre ein Hardware-Upgrade brauchte, lange vorbei sind: Ab und zu muss es dann doch mal sein. Ich hatte mir zuletzt im Dezember 2013 ein neuen Komplett-PC zusammengestellt, mitsamt Gehäuse, Laufwerken und einer frischen Installation von Windows 7 Professional. Im Juni dieses Jahres war die Zeit für die nächste Aufrüstung gekommen. Diesmal sollten nur die wichtigsten Komponenten ausgetauscht werden. Und da ich die Installation recht sauber gehalten hatte, Windows noch immer fix bootete und ich nicht wirklich Lust hatte, alles Benötigte neu zu installieren, kam die Idee auf, das Windows-System beizubehalten. Doch geht das überhaupt so einfach?
Welche Schritte ich dafür unternommen habe, möchte ich in diesem Artikel zusammenfassen.

Gamer-PC anno Ende 2013...

Als CPU verbaute ich damals einen Intel i7-4770 mit 3,40 GHz und vier Kernen mit Boxed-Kühler auf einem passenden Mainboard von AsRock. 8GB DDR3-RAM von Kingston steckten daneben. Eine 250GB-SSD beherbergte Windows und einige Programme, eine 1TB-HDD die immer größeren Spiele-Installationen und Daten. Als Grafikkarte kam eine nVidia GeForce GTX 770 mit 2GB GDDR3-RAM (genauer gesagt ein Exemplar der JetStream-Serie der Firma Palit) zum Einsatz. Die erste Ziffer (inzwischen die ersten zwei, siehe unten) der Modellnummer 770 bezeichnet die Generation, die zweite das Modell innerhalb der Generation. "Ernstzunehmende" Karten liegen im Bereich 60 bis 80.

Systeminformationen des 2013er-SystemsAls einzige von der vorherigen Konfiguration übernommene Komponente leistete mir übrigens das Netzteil, ein 480W-Gerät der Firma beQuiet!, weiterhin treue Dienste. Nicht vergessen wollen wir den per DVI angeschlossenen 21-Zoll-Monitor von Samsung mit FullHD-Auflösung.

Geräte-Manager des 2013er-SystemsMit diesem "Rig" waren in den letzten Jahren nahezu alle Titel, die ich gespielt habe, einwandfrei spielbar. Dazu muss man sagen, dass ich in der Zeit nur noch selten neue Spiele direkt bei Erschienen gekauft habe, sondern oft zuvor verpasste Titel günstig nachgeholt habe. Doch je näher das Jahr 2019 rückte, desto mehr spannende, und grafisch aufwändige, Games wurden angekündigt, so dass in mir der Entschluss reifte, das Upgrade wieder einmal zu wagen.

... und Mitte 2019

Dreh- und Angelpunkt für die neue Zockerkiste war die Grafikkarte. Zwar hatte ich auch schon AMD-Beschleuniger, doch meistens halte ich nVidia die Treue. Und auch wenn aktuell etwas Bewegung in den Markt kommt, waren zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung AMDs Radeon-Karten eindeutig im Hintertreffen was Leistung, Lautstärke und Stromverbrauch angeht. nVidia ließ derweil ihre 1000er-Serie auslaufen und hatte bezahlbare Exemplare der 2000er-Generation in den Verkauf gebracht. Die Wahl fiel schließlich auf die GeForce RTX 2060. Die Bezeichnung RTX statt GTX soll übrigens die neu eingeführte Echtzeit-Raytracing-Technologie hervorheben, die besonders realistische Licht- und Reflektionseffekte ermöglicht. Die Karte hat 6GB GDDR6-RAM. Zwar gibt es auch bereits Modelle mit 8GB, doch kam ich zur Erkenntnis, dass man das nicht braucht, solange man nicht auf 4K-Auflösung umsteigen möchte.

Für die Auswahl der genauen Karte waren mir zwei Kriterien wichtig: Größe und verfügbare Anschlüsse. Ich hatte die Befürchtung, dass die neue Karte noch länger als die alte werden würde und womöglich gar nicht in das Gehäuse passt. Außerdem musste ein DVI-Anschluss vorhanden sein, was nicht bei jedem Hersteller der Fall ist (manche bieten nur noch HDMI und Display Port). Es wurde schließlich die Phoenix von Gainward, die sogar etwas kürzer als die alte JetStream ist und intern weniger Pins am Stromstecker benötigt.

Der nächste Schritt war der Hauptprozessor. Im Gamer-Bereich ist praktisch überall zu lesen, dass die Ryzen-CPUs von AMD aktuell den Intel-Prozessoren klar vorzuziehen sind. Das Preis-Leistungs-Verhältnis gibt dem meiner Recherche nach Recht. Bei Intel ist zwar üblicherweise eine Grafikeinheit integriert, aber die brauche ich ja nicht. Damit ist AMD bei gleicher Rechenleistung günstiger, sogar inklusive Lüfter. Welches Modell am besten zur 2060 passt, fand sich per Google-Recherche, so empfahl etwa dieser Artikel einen Ryzen 6 2600X - der wurde es dann auch schließlich. Dieser Prozessor hat 3,60 GHz und sechs Kerne mit Multithreading - also zwölf virtuelle Kerne. (Mehr Informationen über aktuelle CPU-Generationen erhalten Vereinsmitglieder übrigens in diesem kürzlich veröfentlichten Artikel.) Bei der restlichen neuen Hardware betrieb ich Markentreue: Das RAM wurde verdoppelt und auf den neusten Stand gebracht mit einem erneut von Kingston stammenden 16GB DDR4-Kit und das neue Netzteil liefert 700W in gewohnter beQiuet!-Qualität. Das Mainboard ist natürlich ebenfalls neu und wieder von AsRock. Für die Nennung der Markennamen erhalte ich übrigens kein Geld von den Firmen. ;-)

Der saure Apfel

Wie in der Einleitung geschrieben: Eine Windows-Neuinstallation wollte ich mir diesmal sparen. Das System war und ist recht aufgeräumt, läuft schnell und sauber. Die Frage war, ob die Installation einen derartigen Austausch des "Herzstücks" einfach so "überlebt" - insbesondere den Wechsel von Intel zu AMD beim Hauptprozessor. Recht bald klar war jedenfalls, dass ich Windows 7 nicht mehr weiter verwenden sollte, da teilweise die Treiberversorgung bei aktueller Hardware nicht mehr gewährleistet ist und außerdem die Spiele-Schnittstelle DirectX 12 nur auf Windows 10 läuft. Und das Support-Ende seitens Microsoft droht natürlich auch. Wie ich mich versicherte ist das kostenlose Update von Windows 7 auf 10 weiterhin möglich, obwohl es von Microsoft offiziell bereits 2016 abgekündigt wurde. Anleitungen und Downloads dafür findet man zahlreich im Netz

Leider mag ich Windows 10 eigentlich nicht besonders. Im Beruf nutzte ich es schon eine Weile und konnte mich daran gewöhnen, also nahm ich das Upgrade auf mich. Es funktionierte auch tatsächlich problemlos und dauerte etwa eine Stunde. Einige Tage später führte ich noch das Update 1809 durch, das zuvor nicht enthalten war. Abgesehen von einigen verstellten Dateityp-Verknüpfungen und anderen Kleinigkeiten waren alle installierten Programme wie bisher nutzbar. Einzige Ausnahme war ein etwas älteres Spiel, das ich bereits installiert hatte und das plötzlich nicht mehr startete (The Bureau: XCOM Declassified aus dem Jahr 2013). Zum Glück bieten heutige PC-Spiele-Clients meist eine Möglichkeit, eine Spiele-Installation zu überprüfen und wenn nötig reparieren. Bei Steam nennt sich das "Integrität des Spiele-Caches verifizieren" und schaffte in diesem Fall Abhilfe.

Während ich mich bisher immer lokal an meinem PC angemeldet hatte, stellte ich dann noch die Verknüpfung mit dem Microsoft-Konto (in meinem Fall ursprünglich der Skype-Account) her. Dies war ein Tipp, denn ich online mehrfach gefunden hatte, um sicherzustellen, dass Windows nach dem Hardware-Tausch noch funktioniert. 

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Auch wenn ich immer wieder las, dass nach den beschriebenen Vorkehrungen der Umstieg problemlos möglich sein sollte, weiß man ja nie, was schiefgehen könnte. Deswegen richtete ich endlich die schon lange geplante Backup-Lösung ein und fügte obiger Bestellung noch eine externe Festplatte (3TB mit USB3-Anschluss von Intenso) und die Software Acronis TrueImage hinzu. Zuerst machte ich einen Bootvorgang von der Installations-CD und erstellte auf der damit gestarteten Oberfläche ein Notfall-Backup des Systeminformationen des 2019er-Systemskompletten PCs, um es im Extremfall auf gleiche Weise wiederherstellen zu können. Danach startete ich wieder Windows von der SSD und installierte die "normale" Acronis-Software, um später einen regelmäßigen Backup-Plan einrichten zu können. Nun war aber endlich der große Moment gekommen!

Ausbau, Umbau, Einbau

Zum eigentlichen Umbau muss ich wohl nicht viel sagen. Gehäuse öffnen, alle Stecker abziehen, Grafikkarte raus (andere Steckkarten habe ich nicht, da Dinge wie Sound und Netzwerk onboard sind), Geräte-Manager des 2019er-SystemsBoard mitsamt CPU und RAM ausbauen. Die neuen Pendants zusammen- und anschließend einsetzen und wieder anschließen. Nach dem Einschalten fuhr Windows hoch, zeigte sich aber vorerst in einer groben Standard-Auflösung. Abhilfe leistete natürlich die dem Mainboard beiliegende Treiber-DVD. Über die bereits installierte Software GeForce Experience lud ich am Ende auch noch die neuesten Grafiktreiber und alles sah wieder wie gewohnt aus. Die ganze Software-Seite des Upgrades dauerte etwa eine Stunde, dann konnte ich Windows wieder wie gewohnt nutzen. Als einziges Problem fiel auf, dass Acronis TrueImage meinte, es müsse registriert werden, was ich eigentlich schon getan hatte. Als ich das erledigen wollte, hieß es wiederum, die maximale Anzahl an Registrierungen für diese Seriennummer sei überschritten. Doch nach einem Klick auf "Problem lösen" im Programm konnte man angeben, dass Hardware ausgetauscht wurde, und damit gab es sich zufrieden. In Folge richtete ich einen Backup-Plan ein, der mit einem erneuten Voll-Backup startete und wöchentlich inkrementelle ergänzte. Das alte Notfall-Backup habe ich inzwischen aus Platzgründen bequem über die Software gelöscht.

Der Lohn der Mühen

Gelohnt hat sich das Upgrade auf jeden Fall. Die 2018 veröffentlichte Sportsimulation Madden NFL 19 konnte ich zuvor in hohen Grafikdetails leidlich flüssig spielen. Mit der neuen Konfiguration schraubte ich alles auf die maximalen "Ultra"-Einstellungen hoch und es spielt sich besser als je zuvor. Da sieht man in Nahaufnahmen selbst den Schweiß an den Spielern herablaufen. Auch beim gerade erst im Mai 2019 frisch erschienen Actionspiel Rage 2 erstrahlt die weitläufige Spielwelt in maximalen Einstellungen (s. Bilderstrecke unten). Weitere Titel werden hoffentlich in den nächsten Monaten folgen.

Als Fazit bleibt mir anzuerkennen, dass es mit Windows 10, auch wenn ich viele Dinge daran nicht schätze, problemlos möglich ist, die Hardware praktisch komplett auszutauschen. Selbst ein Wechsel des CPU-Herstellers verkraftet das System, ohne dass Treiberleichen übrigbleiben. Das ist wirklich bequem, wenn man auf das Aufsetzen eines frischen Systems verzichten möchte.

Zum Abschluss folgt noch einmal die Zusammenfassung der wichtigsten unternommenen Schritte:

  • Upgrade von Windows 7 Professional auf Windows 10
  • Verknüpfung von Windows mit dem Microsoft-Konto
  • Erstellen des Notfall-Backups per Boot-CD des Backup-Programms
  • Austausch der Hardware und Treiber-Installation
  • Einrichten eines Backup-Plans