Der Artikel Entrauschen von Digitalbildern befasste sich mit der Theorie hinter dem Problem des „Rauschens“ bei Fotos aus digitalen Kameras. Am Ende wurde auch schon dessen Behebung durch eigenständige Programme oder Plug-Ins für Photoshop oder Gimp angesprochen. Im Folgenden sollen einmal vier Produkte miteinander verglichen werden, welche den Vorteil haben, dass es von allen eine freie (resp. Demo-) Version gibt und Sie diese damit in Ruhe ausprobieren können.

  • NeatImage ist unter neatimage.com erreichbar.
  • Noise Ninja finden Sie bei picturecode.com.
  • DenoiseMyImage finden Sie bei adptools.com, den „Advanced Photo Tools“.
  • Noiseware schließlich (die “Community-Edition“) gibt es bei imagenomic.com.

Einige der genannten Anbieter bieten auch andere Versionen Ihrer Tools – zum Beispiel Versionen für Scanner(!) – oder auch komplett andere Tools an. Diese sollen aber nicht Gegenstand der Betrachtung in diesem Artikel sein.

Ganz grob hier ein Überblick, der die Varianten der beschriebenen Programme vorstellt:

Produkt Standalone-Version Plug-In PS32 Plug-In PS64
W(in)-, M(ac)-, 
L(inux)-Version
NeatImage Ja Ja Ja W
NoiseNinja Ja Ja Ja

Standalone: WML
Plug-In: WM

DenoiseMyImage Ja Nein Nein W
Noiseware Ja Ja Ja WM

Schauen wir sie uns mal ein bisschen näher an:

Neat Image arbeitet mit Profilen. Auf der Webseite des Herstellers finden sich solche für Hunderte von Kameras von Canon bis Toshiba und zig Scannern - von Acer bis Visioneer. (Ein Hinweis für unsere Filmer: es gibt auch eine Variante dieses Produktes für Videos!) Aber auch ohne Profile lassen sich mit diesem Programm hervorragende Ergebnisse erzielen: durch eine Bildanalyse. Man wählt zu diesem Zweck ein - ca. 128 x 128 Pixel großes - Quadrat aus, das möglichst einheitliche Farben zeigen sollte. Aufgrund dessen erarbeitet Neat Image dann ein bildbezogenes Profil, welches auch noch manuell über verschiedene Parameter verändert werden kann - das nebenstehende Bild zeigt diesen Bearbeitungsschritt mit den entsprechenden Reglern zum Filter-Fine-Tuning. Hier lässt sich das Programm auch interaktiv hervorragend bedienen: der wählbare Auschnitt im Bild zeigt diesen Teil "entrauscht" an - und mit Mausklick zum Vergleich im Original. Durch Verschieben dieses Ausschnitts kann man so besonders wichtige Bildteile speziell kontrollieren bzw. den Prozess sogar besonders auf diese Teile abstimmen. Nun speichert man das entrauschte Ergebnis - in der freien Version ist man hier auf bestimmte Größen und Qualitätseinstellungen des JPG-Bildes beschränkt.

Auch NoiseNinja arbeitet mit Profilen. Die Liste der unterstützten Kameras auf der Homepage des Anbieters ist zwar nicht so lang wie die für NeatImage, aber man kann ja selbst überprüfen, ob die eigene Kamera (oder auch hier: der Scanner) dabei ist. (Auf der Liste sind übrigens auch Handykameras!) Wenn nicht, gibt es Hilfe: bei jeder Version des Programms ist eine "Profiling chart" enthalten, die das Erstellen eigener Profile erlaubt. Einen Batch-Modus hat NoiseNinja - wie viele seiner Kollegen auch, aber besonders schön ist der "Sidekick-Modus". Hiermit ist NoiseNinja quasi fernsteuerbar geworden. Man selbst per Drag-and-Drop (oder irgendein anderes Programm) übergibt ein Bild an NoiseNinja: Hier wird es mit den Standardeinstellungen entrauscht, ohne dass man das Programm bedienen muss. Zum Nutzen des Sidekick-Modus muss man in irgendeiner Applikation NoiseNinja als externen Editor einstellen.
In NoiseNinja kann man außerdem verschiedene Kanäle (Luminanz, Cr, Cb, R, G, B) getrennt betrachten und Entrauschen. Zusätzlich gibt es eine "Brush", die dann einzelne Bildpartien gesondert behandelt.

DenoiseMyImage ist relativ neu und erläutert, dass man Rauschen auch ohne Kameraprofile entfernen kann. Es wirbt damit, digitales Rauschen zu entfernen und dabei die Kanten im Bild beizubehalten (Kanten sind der natürliche Feind eines Weichzeichners!). Es verwendet hierbei verschiedene Algorithmen: "Anisothropic diffusion", "Bayes shrink" und "non-local means" . Wie modern das Programm ist zeigt es auch dadurch, dass Mehrkern-Prozessoren genauso genutzt werden wie Nvidia CUDA-Technologie, also auch die Grafikprozessoren der Nvidia-VGA-Karte. Ebenso wird Hyperthreading sowie eine bestimmte Art von ATI-Grafikkarten unterstützt. (Übrigens lohnt es sich, auch mal die anderen Produkte von ADP Tools zu betrachten!) Das Produkt ist in vielen Sprachen - darunter auch deutsch - erhältlich. Der Vorgang des Entrauschens lässt sich mit ein paar Einstellungsmöglichkeiten beeinflussen und läuft dann recht gemächlich ab.

Von Noiseware gibt es als Freeware die so genannte Community-Edition - die Standard- und die Professional-Version gibt es gratis immerhin 14 Tage zum Testen. Auch dieses Produkt arbeitet ohne vorkonfigurierte Profile. Es wirbt damit, durch die Mehrkern-Prozessor-Unterstützung besonders schnell zu sein: 8 MP können im 16-Bit-Modus in weniger als vier Sekunden verarbeitet werden.
Sein "Intelli-Profile"-Algorithmus lernt mit der Zeit und verbessert sein selbst erstelltes Profil permanent. Auch hier ist eine gewisse interaktive Nutzung möglich: wie das Bild rechts zeigt, gibt es einmal einen großen Katalog von "Grundsatzeinstellungen" und dann aber auch eine Menge Regler, mit denen man eine Feineinstellung vornehmen kann. So lässt sich das Rauschen nicht nur über die "Noise-levels", sondern auch über die "Noise-supression-Levels" einstellen.
Auch hier wechselt - bevor man gespeichert hat - die Darstellung auf Mausklick vom gefilterten zum ungefilterten Bild und zurück.
 

Fazit

Das Bild links zeigt - in der Kombination - die Ergebnisse aller vier Programme, ergänzt um den Originalausschnitt (ganz oben, s. auch den Vorgängerartikel) und den GIMP mit Weichzeichner (zweiter Ausschnitt). (NoiseNinja markiert in der Demo-Version die Ergebnisse - deshalb der weiße Strich in seinem Feld.)

Natürlich ist das hier nur ein kleiner Ausschnitt, der verglichen wird - aber es sind halt die kritischsten Stellen der beiden Bilder.

Meiner Meinung nach gewinnt Neat Image diesen Vergleich. Das Blau bleibt immer noch ein bisschen wolkig, was dem Original entspricht, und die Hauttöne sind meines Erachtens die Besten von allen.

Die Ergebnisse dieses Vergleichs zeigen aber auch, dass diese Programme ihre Existenzberechtigung haben. Es ist überlegenswert, wenn man zum Beispiel mit Photoshop oder Aperture arbeitet, sie als Plug-In zu nutzen, und damit optimal in den Arbeitsprozess zu integrieren. Der Leistungsumfang der Plug-Ins ist dem der Programme gleichwertig.

Schön ist, dass alle Programm in einer freien Version erhältlich sind - Sie können sich so ein eigenes Urteil bei Ihren "Problembildern" bilden. Die Vollversionen der Programme gibt es dann meist in unterschiedlichen Versionen. Wie gesagt einmal als Standalone-, dann als Plug-In-Version. Schließlich ist der Batch-Betrieb oft etwas, das nur in diesen Versionen funktioniert. Und zu guter Letzt unterstützen sie dann oft auch andere Bildformate als 24-Bit-JPG: 48-Bit-TIFF zum Beispiel wird häufig angeboten, aber auch mal 48Bit-JPG2000.
Die Kosten für diese Versionen liegen dann zwischen ca. 40.- und knapp 100.-€.