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Chronologie eines Datenverlusts

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Alles fing "ganz harmlos" an: Eines Morgens vor gut einem Monat bootete mein iMac nicht mehr.
Den Grund dafür wusste ich auch gleich. Ich hatte am Abend vorher einige Daten von einem anderen Rechner auf die Platte des iMac kopiert und wollte dann die Dateirechte ändern. Dabei habe ich aber nicht nur die Rechte für diesen Ordner geändert, sondern die für die ganze Platte.
Auch wenn ich das schnell bemerkt und den Vorgang abgebrochen habe, nahm das Unglück seinen Lauf.

Die "üblichen Verdächtigen" im Falle eines nicht startenden OS X - Volume überprüfen und Zugriffrechte reparieren - halfen nicht. Halb so schlimm dachte ich, ich habe ja eine ständig mitlaufende TimeMachine-Festplatte und somit sollten eigentlich alle Daten gesichert sein.
Doch dann machte ich - wie sich später herausstellte - einen entscheidenden Fehler.
An dieser Stelle hätte es gereicht, das System vom Wiederherstellungsdatenträger (einer Partition, die OS X automatisch anlegt und von der man das Rechner im Falle eines Falles booten kann, um z.B. mit dem Festplattendienstprogramm die Platte zu überprüfen) neu zu installieren. Bei der Neuinstallation hätte OS X sich verhalten wie bei einem Update auch: Die Daten der vorhandenen Nutzeraccounts wären übernommen worden. Es hätte nach der Installation eine Update-Orgie gegeben; das kennt man ja auch von Windows. Aber die ganze Aktion wäre nach ein paar wenigen Stunden vorbei und erledigt gewesen.

Doch wie schon gesagt, ich machte einen Fehler.
Dieser bestand darin, dass ich eben nicht das System neu installiert, sondern dass ich das System aus dem TimeMachine-Backup wieder hergestellt habe. Was ich nicht wusste: Vor dieser Aktion wird die Festplatte neu formatiert. ALLE Daten werden gelöscht und durch die auf dem Backup hinterlegten Daten ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt bin ich zwar ein wenig erschrocken - bedeutete das doch, dass mehrere Terabyte per USB 2.0 auf den Rechner transferiert werden mussten - aber noch nicht weiter beunruhigt.
Das kam erst nach Abschluss des Restores.

Als nach dem ersten Start des neuen Systems alle Mails und auch die Projektdateien der von mir aktuell bearbeiteten Software da waren, wo sie hin gehörten, war ich erst einmal beruhigt.
Erste Unsicherheit stellte sich ein, als ich feststellte, dass ich aus Platzgründen einige Unterordner der Festplatte vom Backup ausgeschlossen hatte. Unter anderem die von iTunes verwaltete Musiksammlung.
DAS war noch nicht weiter tragisch, da ich hier eine externe Festplatte habe, auf die ich regelmäßig und zusätzlich zum TimeMachine-Backup den Ordner mit den MP3- und AAC-Dateien kopiere. Es fehlten lediglich ein paar wenige Hörbücher, die ich seit dem letzten Backup von CD eingelesen hatte. Also nichts wirklich Lebenswichtiges.

Weitere Zweifel stellten sich ein, als zuvor problemlos laufende Software von mir die Eingabe des Registrationscodes verlangten. Ich hätte erwartet, dass die entsprechenden Dateien in der "Library" mitgesichert werden. Da diese Registrationscodes in der Regel per E-Mail kommen und die E-Mails alle vorhanden waren, konnten diese Probleme gelöst werden.

Weiteres Unwohlsein wuchs in mir, als ich die Katalogdatei meines Fotoverwaltungsprogramms nicht mehr fand. D.h. ich fand nur noch eine alte Kopie davon. Da die aktuellen Bilder des letzten Monats aber vorhanden waren und ich diese neu in den alten Katalog einspielen konnte, machte ich mir auch hier noch keine weiteren Gedanken.

Das passierte erst am vergangenen Mittwoch: Ich wollte, wie alljährlich in der Vorweihnachtszeit, einen Fotokalender für die Verwandtschaft erstellen. Dazu wählte ich in MediaPro die entsprechenden Dateien aus und wollte sie in einen neuen Ordner kopieren um sie dann weiter zu bearbeiten.
Bei ca. der Hälfte der Bilder schlug das aber fehl. Die entsprechenden Mediendateien waren im Katalog auch als fehlend gekennzeichnet. "OK, da war beim Restore was schiefgelaufen und die Dateien liegen nicht mehr am gleichen Ort", versuchte ich mir das zu erklären. Als dann die Suche nach dem Dateinamen fehlschlug, fingen die Alarmglocken an zu klingeln...
Eine Suche nach fehlenden Dateien, d.h. der Abgleich der im Katalog hinterlegten Dateiablageorte mit der Festplatte meldete mehr als 15000 fehlenden Objekte.
DA wurde mir bewusst, dass irgendwas furchtbar schief gelaufen sein musste...

Der erste Gedanke war: "Da wurden nicht alle Daten aus dem Backup wieder hergestellt". Da ich nach der Neuinstallation zwei neue Backupplatten (diesmal je 5TB für das 3.5TB FusionDrive im iMac) angeschafft hatte, hatte ich die beiden Platten des alten Systembackups, die wechselweise eingesetzt wurden noch im Originalzustand im Regal stehen. Sie konnten als Basis für die weitere Wiederherstellung dienen.
Wie groß mein Entsetzen war, als ich auf beiden Platten nicht wie erwartet mehrere Generationen des Backups befanden sondern nur eine einzige, kann sich wohl jeder vorstellen.

Auf den TimeMachine-Medien gibt es einen Ordner "Backups.backupdb", darin einen Ordner für den zu sichernden Rechner.
Und liegen die einzelnen Ordner für die verschiedenen Backupgenerationen.
So lange Platz auf der Backupplatte ist, können das recht viele sein, wie man hier am Screenshot der Backupplatte meines MacBookPro sieht.

Screenshot TimeMachine

Auf den Backupplatten meines G5 sieht das leider anders aus: Darin gibt es genau EINEN Ordner, der das Datum der letzten Sicherung trägt. Also z.B. 2015-10-22-144738.
Da die Platte ist aber zu mehr als der Hälfte frei ist (1.5TB von 2.7TB) und eigentlich immer nur wenige Daten gesichert werden (vielleicht mal ein paar GB am Stück), wundert mich das doch schon.

Eigenartig ist für mich aber nach wie vor die Zusammensetzung der Daten in der Sicherung. So sind eigentlich alle "alten" Daten gesichert. Also alles von vor 2012. Von den später angelegten Dateien ist z.B. in Bezug auf Rechnungen, Briefe u.ä. auch alles verfügbar.

Aber Bilder (egal in welchem Dateiformat) nur teilweise. Im Ordner "~/Bilder/Fotos/diverses" liegen nur noch acht Bilder. Vier aus dem August 2014, zwei aus 2011, und je eines aus 2010 und 2006. Auch die Daten der letzten Änderung oder des letzten Öffnen dieser Dateien liegen in den entsprechenden Jahren. Die restlichen (geschätzt über 1000 Bilder) sind nicht da.
Gleiches im Ordner "~/Bilder/Fotos/Fahrräder". Hier gibt es Bilder aus 2005, 2011 und 2015 - aber bei weitem nicht alle.
So weiß ich, dass ich 2011 ALLE meine Räder fotografiert habe. Da müssten allein aus den Sommermonaten mehr als 100 Dateien vorhanden sein.
Die Bilder der in 2012 und 2014 neu angeschafften und fotografierten Räder finde ich gar nicht...
Und in "~/Bilder/Fotos/Urlaube" finden sich keine 20 Unterordner sondern nur noch zwei aus 2014 und 2015. Wobei im 2014er Ordner nur noch fünf und nicht 1200 Bilder liegen.
Allerdings sieht es so aus, als seien die in der obersten Ebene von "Bilder" liegenden Dateien alle da. Aber nur die Dateien, nicht die Ordner. So findet sich der Ordner mit den Original-RAW Dateien NIRGENDS. Diesen Ordner habe ich zuletzt im April geändert.
Das alles ist sehr eigenartig - und folgt keinem Muster, das ich auf Anhieb erkennen würde.

Ich habe dann über Nacht mal auf der Backup-Platte nach gelöschten Dateien gesucht und auf diese Art ca. 3500 RAW-Dateien gefunden und noch mal deutlich mehr Dateieinträge, die aber auf keine gültigen Dateien mehr verwiesen.
Das war dann ein erster Hoffnungsschimmer. Zumal ich alle Bilder bis Anfang 2012 auf einer externen Platte gesichert hatte. Ich dachte eigentlich, dieses Backup auch später noch mal gemacht zu haben - dem war aber nicht so. Ein deutliches Zeichen dafür, dass ein manuelles Backup NICHT funktioniert.

Nachdem ich dann auch auf der Backupplatte, die seit Sommer letzten Jahres im Schließfach auf der Bank lag, durchsucht hatte, stieg meine Laune dann doch wieder ein wenig.
Dort scheint alles zu finden zu sein, was zum damaligen Zeitpunkt auf dem Rechner gespeichert war.
D.h. der "Fehlzeitraum" erstreckt sich nicht mehr über dreieinhalb Jahre (Anfang 2012 bis Mitte 2015) sondern über 11 Monate. Immer noch nicht wirklich prickelnd, aber es hört sich schon deutlich besser an.
Problematisch wird nun das Zusammenführen der Daten.
Wahrscheinlich werde ich - zumindest bei den Fotos - den Bestand des Backups aus Mitte 2014 als die Basis nehmen und dort dann die momentan schon auf dem Rechner gespeicherten Dateien einpflegen.

Zur Sicherheit werde ich das dann erst mal auf einer neuen externen Platte machen, damit ich nicht aus Versehen weiter Daten überschreibe...

Inzwischen habe ich auch herausgefunden, warum in dem Backup, aus dem ich das System wieder hergestellt hatte, nur noch so wenige Daten waren: Weiter oben schrieb ich, dass ich die Dateirechte auf der Festplatte für alle Dateien und Ordner geändert hatte.
Für TimeMachine waren das dann Dateien, die neu gesichert werden mussten - und um Platz zu schaffen, wurde dann alles auf der Backupplatte gelöscht...

Nun ja - mit ein wenig Glück kann ich die fehlenden Dateien noch von der Platte im iMac retten. Und gelernt habe ich daraus. Vielleicht auch der ein oder andere Leser...

Lizenzen sichern

Das ist der Grund weshalb ich alle Lizenzen der gekauften Programme (hier für Windows) in Textdateien auf einem Benutzerlaufwerk (D:) speichere, sodass sie täglich auf einen USB-Stick synchronisiert werden können.

Reinhold, RG 600